DIE REISEBERICHTE VOM SULZBERGER-TEAM
Wir führen regelmässig Studien- und Rekognoszierungsreisen durch, damit Sie von nützlichen und aktuellen Informationen profitieren können. Unsere Erlebnisse - für Sie zum Mitlesen!
Zwei Tage Färöer-Inseln. Viel zu kurz? Definitiv. Genug, um sich in diese raue Inselwelt mitten im Nordatlantik zu verlieben? Absolut.
Ich habe in diesen zwei Tagen so ziemlich alles erlebt, was die Färöer ausmacht: Sonne, strömenden Regen, spektakuläre Steilklippen, herzliche Begegnungen und einen Helikopterflug, den ich so schnell nicht vergessen werde.
Hier meine fünf persönlichen Highlights – inklusive ein paar Erkenntnissen, die in keinem Reiseführer stehen.
1. Mit dem Helikopter nach Stóra Dímun – 20 Minuten am (gefühlten) Ende der Welt
Wir hatten an diesem Sonntag wirklich unglaublich viel Glück. Die Sonne schien. Und zwar praktisch den ganzen Tag.
Wer die Färöer kennt, weiss: Das ist keine Selbstverständlichkeit. Am Folgetag sah die Welt bereits wieder komplett anders aus.
Für uns bedeutete das perfekte Voraussetzungen für ein ganz besonderes Erlebnis: einen Helikopterflug von Tórshavn zur winzigen Insel Stóra Dímun.
Eine abgelegene Insel, auf der nur eine Familie lebt. Umgeben von gewaltigen Steilklippen und mitten im Nordatlantik.
Schon der Anflug war schlicht atemberaubend.
Grüne Inseln, senkrecht abfallende Felswände, das tiefblaue Meer und dazwischen winzige Siedlungen, bei denen man sich unweigerlich fragt: Wie lebt es sich eigentlich hier draussen?
Wichtig zu wissen: Die regulären Helikopterflüge auf den Färöern sind in erster Linie für die Versorgung und den Transport der Inselbevölkerung gedacht. Nicht für Touristen, die mal eben einen spektakulären Rundflug machen möchten.
Entsprechend eingeschränkt sind die Möglichkeiten für Besucher. Reguläre touristische Buchungen sind grundsätzlich nur für eine Flugrichtung vorgesehen. Dass wir am selben Tag sowohl hin- als auch zurückfliegen konnten, war deshalb ein besonderer Glücksfall.
Gut also, wenn man über die nötigen Kontakte verfügt. Und das Wetter mitspielt.
Unser Aufenthalt auf Stóra Dímun dauerte gerade einmal 20 Minuten.
20 Minuten!
Normalerweise würde ich sagen: Dafür lohnt sich die Reise kaum.
Hier war es genau umgekehrt.
Die Ausblicke waren unvergleichlich, die Atmosphäre einmalig und der Empfang durch die Piloten und die Menschen vor Ort ausgesprochen herzlich.
Überhaupt ist mir eines immer aufgefallen: Egal ob Busfahrer, Guide, Bootsbekanntschaft oder Helikoptercrew – die Färinger habe ich als unglaublich freundliche, hilfsbereite und unkomplizierte Menschen erlebt.
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2. Auf Schusters Rappen – immer schön den Steinmännchen nach
Wandern auf den Färöern ist etwas Besonderes.
Nicht unbedingt, weil man hier technisch anspruchsvolle Bergtouren unternehmen müsste. Sondern weil die Landschaft derart spektakulär ist, dass man gefühlt alle paar Minuten stehen bleibt.
Für ein Foto. Oder einfach nur zum Staunen.
Eine färöische Besonderheit sind die sogenannten Cairns. Das sind aufgeschichtete Steine, die seit Jahrhunderten den Weg durch die oft baumlose Landschaft markieren.
Quasi die historischen Wegweiser der Färinger. Und bei Nebel vermutlich um einiges wichtiger als jedes hübsche Wanderwegschild.
Wichtig übrigens: Die Steinmännchen bitte so lassen, wie sie sind. Zusätzliche Steine aufzuschichten, ist keine gute Idee – schliesslich sollen die Wegmarkierungen auch für die nächsten Wanderer noch stimmen.
Unterwegs trifft man vor allem eines: Schafe. Viele Schafe. Sehr viele Schafe.
Mit etwas Glück auch einen Feldhasen oder einen Hirtenhund. Und dazwischen immer wieder Ausblicke auf grüne Hügel, tiefblaues Wasser und dramatische Küsten.
Wer besonders abgehärtet ist, kann sich unterwegs sogar ein Bad in einem der Seen gönnen. Ich betone: abgehärtet.
Mein Tipp für Einsteiger: Die Wanderung von Tórshavn nach Kirkjubøur. Rund sechs Kilometer, gut anderthalb bis zwei Stunden Gehzeit und unterwegs fantastische Aussichten. Der Ausgangspunkt liegt im südlichen Stadtgebiet (Bushaltestelle "Akranesgøta").
Und wer sich fragt, ob es auch anspruchsvoller geht: Aber sicher!
Für die Hartgesottenen gibt es geführte Touren in abgelegene Gebiete, bei denen man die Färöer nochmals von einer ganz anderen Seite erlebt.
Übrigens: Der Autor verfügt über entsprechende Kontakte zu lokalen Hiking-Guides. Nur so als dezenter Hinweis.
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3. Busfahren auf den Färöern – erstaunlich einfach und manchmal mitten durch die Pampa
Ich gebe es zu: Bei einer Inselgruppe irgendwo zwischen Schottland, Island und Norwegen hatte ich nicht unbedingt ein ausgeklügeltes öffentliches Verkehrsnetz erwartet.
Falsch gedacht.
Tórshavn, die Hauptstadt und grösste Stadt der Färöer, ist der ideale Ausgangspunkt für Erkundungen. Der internationale Flughafen liegt zwar auf einer anderen Insel, dafür kommt man von hier aus mit Bussen und Fähren erstaunlich weit.
Und jetzt kommt's: Die roten Stadtbusse sind gratis. Für alle. Auch für Touristen.
Die Überlandbusse kosten zwar etwas, fahren aber zuverlässig in verschiedene Richtungen. Dank Brücken und teilweise spektakulären Unterseetunneln erreicht man auch andere Inseln, ohne ständig auf ein Schiff umsteigen zu müssen.
Manchmal heisst es allerdings: Buswechsel irgendwo in der färöischen Pampa.
Kein Problem. Der Busfahrer erkennt den etwas orientierungslosen Besucher aus der Ferne und erklärt in bestem Englisch, wo und wann es weitergeht.
Bezahlen? Ging auf meinen Strecken unkompliziert mit Karte. WLAN gab's im Bus ebenfalls.
Mein Fazit: Man braucht auf den Färöern nicht zwingend einen Mietwagen. Etwas Zeit, Flexibilität und die Bereitschaft, auch mal irgendwo im Nirgendwo umzusteigen, reichen für erstaunlich viele Entdeckungen.
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4. Echte Färinger kennenlernen – Hotdogs, Tankstellenkaffee und überraschende Geschichten
Ich hatte mich vorbereitet. Sogar einen digitalen Reiseführer von Reise Know-How hatte ich mir zugelegt.
Das Problem: Die vielen Sehenswürdigkeiten, Aussichtspunkte und Ortschaften wollten einfach nicht in meinem Kopf bleiben.
Was vermutlich auch an den färöischen Ortsnamen lag. Die Sprache ist eng mit dem Isländischen verwandt, und für meine Ohren klang vieles ungefähr gleich unaussprechlich.
Zum Glück gab es Helgi Heinason.
Während eines halben Tages begleitete mich Helgi in seinem Auto und zeigte mir seine Heimat. Und wie so oft auf Reisen war das Gespräch mindestens so interessant wie die Landschaft draussen.
Ich erfuhr beispielsweise, dass färöische Helikopterpiloten auch international gefragt sind. Ihre Erfahrung mit den anspruchsvollen Flugbedingungen im Nordatlantik macht sie zu interessanten Kandidaten für Such- und Rettungseinsätze (Search and Rescue). Einige zieht es sogar zu Flugaufträgen in Wüstenregionen oder in die Dienste von Königshäusern im Nahen Osten.
Vom windgepeitschten Nordatlantik in die Wüste. Auch eine Karriereplanung, auf die man erst einmal kommen muss.
Mein kulinarisches Highlight dieses Ausflugs war allerdings etwas weniger exklusiv.
Zwei Hotdogs und ein Coffee to go. Von der Tankstelle.
Verspiesen im Auto. Bei strömendem Regen.
Keine weissen Tischdecken, kein Gourmetmenü, keine Instagram-taugliche Inszenierung.
Dafür ein Stück echter färöischer Alltag. Und ich fand's grossartig.
Helgi machte mich ausserdem mit der Musik von Eivør bekannt, einer der international bekanntesten Sängerinnen der Färöer.
Ihre Musik? Mystisch, manchmal düster, melancholisch und irgendwie geheimnisvoll. Schwer zu beschreiben, aber sie passt perfekt zu dieser Landschaft.
Seither bin ich Fan.![]()
5. Vestmanna Cliffs – schaukelnde Boote und eine Geschichte aus Sri Lanka
Es war mein letzter Tag auf den Färöern. Und es regnete. Nicht ein bisschen. Sondern so richtig nordatlantisch.
Beste Voraussetzungen also für eine Bootsfahrt zu den berühmten Vestmanna Cliffs.
Was zunächst ganz beschaulich begann, entwickelte sich zunehmend zu einer ziemlich schaukeligen Angelegenheit. Die zahlreichen mitreisenden Dänen schien das wenig zu beeindrucken. Mich übrigens auch nicht. Jedenfalls nicht die Tatsache, dass sämtliche Erklärungen auf Dänisch erfolgten.
Ich hatte nämlich meinen persönlichen Übersetzer an Bord.
Peter, ein Färinger, bot mir spontan an, die wichtigsten Informationen zu übersetzen. Ganz unkompliziert, wie ich die Menschen auf den Färöern überhaupt kennengelernt habe.
Und dann erzählte er mir seine Geschichte.
Vor rund 30 Jahren hatte er eine Frau aus Sri Lanka geheiratet. Heute haben die beiden drei erwachsene Töchter und leben auf den Färöern.
Moment mal. Sri Lanka? Färöer-Inseln? In den 1990er-Jahren?
Ich konnte nicht anders, als mir vorzustellen, wie es sein muss, aus dem tropischen Sri Lanka auf eine windgepeitschte Insel im Nordatlantik zu ziehen. Diese Frau hätte bestimmt eine Geschichte zu erzählen!
Die Bootsfahrt selbst? Spektakulär. Gewaltige Felswände, tosende Wellen und eine Landschaft, die irgendwie aus einer anderen Zeit zu stammen scheint.
Aber manchmal sind es eben nicht nur die Sehenswürdigkeiten, die in Erinnerung bleiben. Sondern die Menschen, denen man unterwegs begegnet.
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Mein Fazit nach zwei Tagen?
Die Färöer sind kein Reiseziel für Schönwettergarantie, Poollandschaften und perfekt durchgetaktete Ferienprogramme.
Zum Glück.
Hier geht es um Naturgewalten, überraschende Begegnungen und Erlebnisse, die man nicht bis ins letzte Detail planen kann.
Und genau das macht diese Inselgruppe für mich so faszinierend.
Zwei Tage waren definitiv zu wenig.
Ich komme wieder.
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